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ArchitekturgeschichteFotografie als Argument. Wie das neue Stadtbild im Fotobuch „Die gemordete Stadt“ in Kritik gerät.

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Ulrike Kohl: Fotografie als Argument. Wie das neue Stadtbild im Fotobuch „Die gemordete Stadt“ in Kritik gerät

Projektskizze

Ausgangspunkt ist die Publikation Die gemordete Stadt von Wolf Jobst Siedler und Gina Angres mit den Fotografien von Elisabeth Niggemeyer.

Die Bilder zeigen historisch gewachsene Bezirke in ihrer Übergangsphase sowie die Neubaugebiete der Wiederaufbauzeit der 1960er Jahre. In atmosphärischen Motiven lenkt Niggemeyer den Blick auf die Alltäglichkeit in ihrer Widersprüchlichkeit und auf den Zusammenhang von Raum und gesellschaftlichen Austausch. Im Buch führt sie diese verschiedenen Positionen visuell zusammen. Es sind die unrepräsentativen Räume des Wiederaufbaus, die den Idealen der neuen Stadt in Bildern gegenübergestellt sind. Die Fotografin lenkt den Blick auf den Stadtraum, dessen historische Gestaltung als gescheitert gilt und dem die Zerstörung droht.

Dabei bricht sie in der Darstellung technisch wie inhaltlich mit den Konventionen der Architekturfotografie. Es wird weder Neutralität bzw. Objektivität in den Abbildungen suggeriert noch erhebt sie Anspruch auf Vollständigkeit oder Wissenschaftlichkeit. Stattdessen gewährt sie dem Betrachter Einblick in Räumlichkeiten und Persönlichkeiten der Stadt.

Das Fotobuch entsteht zu einer Zeit, in der erste Kritiken über die Abriss- und Neubaupläne zu diesem Transformationsprozess medial diskutiert werden.

Zwar werden die Fotografien der Buchpublikation im traditionellen Rahmen von Text und Bild präsentiert, jedoch sind die Abbildungen mehr als eine neutrale Dokumentation, denn in ihrer Kombination und Komposition erzählen sie eine bestimmte Geschichte. Entsprechend der Theorie von Gottfried Boehm, dass ein Bild zeigt, was sich nicht sagen lässt, sind die Fotografien keine neutralen Informationsträger.

Mit dem Buch Die gemordete Stadt soll hier veranschaulicht werden, wie die Fotografien als visuelle Argumente funktionieren können. Meine These ist dabei, dass diese Publikation mit ihrer spezifischen Verbindung von Text und Bild im theoretischen Diskurs zur Stadtkritik als innovatives Medium betrachtet werden kann.

Ko-Betreuer des Dissertationsprojektes ist Prof. Dr. Lars Blunck, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. 

 

Ulrike Kohl, M.A.

Vita

  • 1994 Abschluss zur Fotodesignerin an der staatlichen Fachakademie für Fotodesign in München
  • 1995–2011 selbständige Fotodesignerin mit Schwerpunkt Architektur und Food mit Studio in Wien
  • 2000–2004 Assistentin der Klasse Fotografie bei Gabriele Rothemann an der Universität für angewandte Kunst in Wien
  • 2009–2016 Bachelor- und Masterstudium der Kunstwissenschaft und Kunsttechnologie an der Technischen Universität Berlin
  • 2016 Masterarbeit zum Thema: Inszenierter Stadtraum. Die besondere Form der Architekturdarstellung bei Dieter Urbach
  • 2013–2018 Mitarbeit in der Architektursammlung der Berlinischen Galerie

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