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TU Berlin

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Bastian Müller: Der Architekt Josef Lehmbrock (1918-1999) – Kirchenbauer, Stadtplaner und kritischer Publizist

Projektskizze

Josef Lehmbrock ist eine jener Architektenpersönlichkeiten der Nachkriegszeit in Deutschland, deren wissenschaftliche Würdigung noch aussteht. Er entwarf innovative Kirchenbauten, war tätig im Bereich des Wohnungs- und Siedlungsbaues und machte mit kritischen Schriften und Ausstellungen zum Städtebau auf sich aufmerksam.

Der Katholik, gelernte Tischler und Autodidakt im Architektenberuf zeigte sich in seinen frühen Kirchbauten von der konzeptionellen Klarheit und monumentalen Strenge der Bauten Rudolf Schwarz’ beeinflusst. Später entwickelte Lehmbruck freiere Grundrissformen und organisch-plastische, lichtdurchflutete Baukörper. Seine Gebäude sind von hoher Handwerklichkeit geprägt, wobei der Werkstoff Beton in seiner sichtbaren Materialität zu seinen bevorzugten Baustoffen zählte. Anfang der 1970er Jahre veröffentlichte Lehmbrock eine polemische Schrift zur gleichnamigen Ausstellung „Profitopolis“, in der er die allzu starke Prägung des Baugeschehens durch wirtschaftliche Einflüsse und die schädlichen Einflüsse für menschengerechtes Bauen und Wohnen anprangerte.

Ausgehend von den Kirchenbauten Lehmbrocks soll die Dissertation der Entwicklung im Werk des Architekten nachspüren, seine Motive, Vorbilder und Einflüsse ergründen sowie die gesellschaftlichen Rahmenbedingen beleuchten. Dabei wird versucht, die Kirchenbauten Lehmbrocks im Kontext seiner städtebaulichen Projekte und Schriften zu sehen. Hierbei sind Einflüsse der architektonischen Moderne der Vorkriegszeit, z.B. die Vorbildrolle des Stadtplaners und Kirchenbauers Rudolf Schwarz, ebenso von Belang, wie die städtebau- und wachstumskritischen Strömungen der 1960er- und 1970er Jahre, die sich in den USA und in Deutschland in namhaften Publikationen äußerten.
Diese zunächst widersprüchlich erscheinenden Pole im Lebenswerk Josef Lehmbrocks erhalten – in einen gesellschaftshistorischen Rahmen gestellt – jedoch eine erstaunliche Konsequenz. Denn der Architekt steht mit seinem Werk beispielhaft für die Entwicklung einer Generation von Architekten in Deutschland, deren künstlerische Formung noch in die Zeit vor den zweiten Weltkrieg fällt, deren Schaffenszeit jedoch von den besonderen, teilweise gegenläufigen Umständen der Nachkriegszeit geprägt ist. Für den Zeitraum von 1945 bis in die 1970er Jahre spiegeln sich im Werk Lehmbrocks nicht nur wichtige politisch-wirtschaftliche Entwicklungsphasen der Bundesrepublik wie Wiederaufbau, Wirtschaftswunder oder Ausbildung einer neuen nationalen Identität, sondern auch Tendenzen im Baugeschehen wie Einsatz und Erprobung moderner Baustoffe und formaler wie technischer Lösungen sowie das Erkennen von Grenzen und negativen Auswüchsen jener Entwicklungen.

 

Bastian Müller, M.A., M.Sc.

Vita

  • Studium der Kunstgeschichte, mittelalterlichen Geschichte und Denkmalpflege an der TU-Berlin, Abschluss 2004, Magisterarbeit über die Bauauffassung von Paul Mebes
  • Masterstudiengang Denkmalpflege – Historische Bauforschung an der TU-Berlin, Abschluss 2006, Masterarbeit zum Thema Kirchenbau der Nachkriegszeit
  • Seit 2006 überwiegend freiberuflich tätig in der Inventarisation

Publikationen

  • Die katholische Pfarrkirche St. Judas Thaddäus Berlin-Tempelhof, Berlin 2006
  • Der Architekt Reinhard Hofbauer. Überblick über seine Kirchenbauten, in: Bedrohter Kirchenbau. Dokumentation zum 100. Geburtstag des Architekten Reinhard Hofbauer, Hg.: Arbeitskreis schutzwürdige Kirchen, Berlin 2007, S. 28-60
  • Die katholische Pfarrkirche St. Marien Berlin-Friedenau/Wilmersdorf, Berlin 2008
  • Kirche zum Vaterhaus. Evangelische Kirche in Berlin-Baumschulenweg, Berlin 2009
  • Kunstobjekte auf dem Campus, in: Astrid Hansen / Nils Meyer: Universität als Denkmal. Der Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Kiel 2011, S. 141-153
  • Astrid Hansen und Bastian Müller: Die bauliche Entwicklung im Kontext des westdeutschen Hochschulbaus, in: ebenda S. 41-62

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